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Dienstag, 9. März 2010
Mittelstandskindgebung 2010 in Schrieheim

Mittelstandsinteressen bei Burgbacher in besten Händen

Der Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung Ernst Burgbacher MdB war der Festredner der diesjährigen Mittelstandskundgebung in Schriesheim. Mit einer sachlichen und mit Zitaten gespickten Rede überzeugte er die vielen Mittelständler aus Nah und Fern, die ins Festzelt des Mathaisemarktes gekommen waren.

Wolfgang Becker



„Für uns gibt es keine schwarze, gelbe, grüne oder rote Mittelstandspolitik, sondern nur gute oder schlechte.“ Mit deutlichen Worten griff BDS-Präsident Günther Hieber die „Vorlagen im Vorfeld der Kundgebung“ auf und wies Vorwürfe, der BDS betreibe bei der Mittelstandskundgebung in Schriesheim Parteipolitik zurück. Dass er dabei die mittelstandspolitischen Positionen des Festredners eher zu den Guten zählt, machte Hieber im Festzelt ebenso deutlich, wie zuvor beim traditionellen Pressegespräch: „Wir haben große Übereinstimmung in vielen Positionen, deshalb freue ich mich, dass wir in Ernst Burgbacher als Mittelstandsbeauftragten einen hervorragenden Ansprechpartner für die Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen haben“, so Hieber, der sich bereits im Februar in Berlin mit dem Parlamentarischen Staatssekretär intensiv ausgetauscht hatte.

Hieber: Keine verspätete Aschermittwochsveranstaltung
Damit konterte der BDS-Präsident auch lokale Stimmen, der diesjährige Festredner sei - verglichen zu früheren Rednern wie Guido Westerwelle im Vorjahr - kein politisches Schwergewicht. „Wir sind hier nicht bei einer verspäteten Aschermittwochsveranstaltung, bei der ein aufgeheiztes Publikum zuhört, wie ein Festredner spektakuläre Sprüche raushaut“, findet Hieber deutliche Worte.

„Zweifellos sind Sie ein politisches Schwergewicht für die Interessen des Mittelstandes“, beschied auch Bürgermeister Hansjörg Höfer dem diesjährigen Festredner. „Und sollten Sie je nicht den großen Bekanntheitsgrad vor der Kundgebung gehabt haben, so haben Sie ihn nach der Kundgebung in Schriesheim allemal“, scherzte er. Burgbacher selbst hatte bereits beim Pressegespräch gewarnt. „In der Wirtschaft beklagen wir uns, dass alle nur über die ganz Großen reden, und auch in der Politik geht es nur noch um fünf oder sechs Spitzenpolitiker. Wir tun uns damit keinen Gefallen.“ Damit war klar, Burgbacher werde mit großem Selbstbewusstsein die Herausforderung im Festzelt annehmen.

Soziale Marktwirtschaft braucht Werte
Bevor er schließlich ans Mikrofon durfte, gab ihm Weinkönigin Sonja die perfekte Vorlage: „Ohne leistungsstarke Mitte wäre eine soziale Marktwirtschaft nicht denkbar“, resümierte die Schülerin unter Applaus des Publikum.

Viel besser hätte es der Mittelstandsbeauftragte auch nicht ausdrücken können. Auch er sieht die soziale Marktwirtschaft vor einem Verfall von innen bedroht - und zwar aufgrund eines Werteverfalls. „Soziale Marktwirtschaft setzt eine Mentalität von Werten voraus“, ist Burgbacher überzeugt. Werte, wie sie der Mittelstand immer noch stolz beibehält, wie er an einem Beispiel eines typischen Unternehmers, der trotz Auftragsflaute keinen Mitarbeiter entlassen wollte, aufzeigt.



Positives aus der Krise
Einige besondere Erfahrungen könne man aus der aktuellen Krise mitnehmen: Zum einen sei es eine tolle Erkenntnis, mit welchem Optimismus das deutsche Volk mit der Krise umgegangen sei. Es sei ein positives Signal, dass wir aus der Krise herauskommen, ohne dass der Arbeitsmarkt wesentlich tangiert wurde. Dies sei auch in besonderer Weise dem verantwortliche Verhalten des Mittelstands geschuldet, der sich wieder einmal als das stabilisierende Element des Landes bewiesen habe. Dafür sprächen auch die Zahlen: „Der Mittelstand hat einen Großteil der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze der vergangenen Jahre geschaffen“, zitiert er eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung. „Und deshalb wird diese Bundesregierung den Mittelstand wieder ins Zentrum ihrer Politik rücken. Die Taten werden kommen, Sie haben ein Anrecht darauf“, so Burgbacher.



Erbschaftssteuer abschaffen
Konkret gehe es darum, die steuerlichen und investiven Rahmenbedingungen zu schaffen, wie die Bundesregierung dies gleich zu Beginn der Legislaturperiode mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz begonnen habe. Durch die Entlastung von Familien habe man den Konsum gestärkt. Auch die Entlastungen bei der Erbschaftssteuer seien richtig gewesen. Obwohl seine persönliche Meinung weit darüber hinaus geht: „Die größte Motivation für Eltern ist es, dass ihre Kinder eine oder zwei Stufen höher anfangen können, da sollte nicht der Staat da stehen und die Hand aufhalten. Die Erbschaftssteuer gehört abgeschafft“, plädiert der Liberale unter großem Zwischenapplaus des mittelständischen Publikums.

Reduzierte Mehrwertsteuer: 95 Prozent aller Hotels sind KMU
Auch die Angriffe auf die Reduzierung der Mehrwertsteuer bei Hotels pariert Burgbacher, der auch Tourismusbeauftragter der Bundesregierung ist. Viele behaupteten, die Bundesregierung habe damit einige wenige große Hotelketten entlastet. Richtig sei hingegen, dass 95 Prozent aller Hotels kleine familiengeführte Unternehmen seien.
Und ob diese die Entlastung in den Preisen weitergeben, „das hat der Staat nicht zu regeln.“
Leider sei es mit dem Koalitionspartner nicht machbar gewesen, die Reduzierung auch auf die Gastronomie auszuweiten, wie es BDS-Präsident Hieber in seiner Einführung erneut gefordert hatte.





Banken sollen Kreditspielräume besser nutzen
Ein großes Problem für den bevorstehenden Aufschwung sieht der Mittelstandsbeauftragte in der Kreditvergabe, wenngleich er eine flächendeckende Kreditklemme verneint. Der Mittelstand sei bereit für den Aufschwung und wolle seine Lager wieder auffüllen, wozu sie auch Kredite benötigen. Es sorge ihn, wenn 28 Prozent der Mittelständler sagen, ihre Kreditbedingungen haben sich verschlechtert. Daher appelliert der Staatssekretär eindringlich an die Banken: „Nutzen Sie Ihre vorhandenen Spielräume.“ Die Banker dürften nicht nur in die Bilanz des vergangenen Jahres schauen, sondern auch auf die Zukunftschancen der Unternehmen. Die Politik selbst habe durch eine Kombination aus Kapitalhilfen und Krediten der KfW bereits deutliche Verbesserungen erreicht.

Steuerpolitik, die Freiräume lässt
Zentrales Thema der nächsten Monate sei die Unternehmenssteuerreform - mit dem Ziel der Vereinfachung. „Wir wollen eine Steuerpolitik, die Freiräume lässt“, so Burgbacher und zitiert ironisch den Chefredakteur der Wirtschaftswoche, der zuletzt festgestellt habe, die Deutschen seien das einzige Volk der Welt, das sich massiv gegen Steuersenkungen wehre. Vom BDS erwartet er sich wie bei anderen Themen Schützenhilfe, damit die Regierung den steuerpolitischen Kurs halten könne. Denn neben der Vereinfachung geht es ihm schließlich auch um Entlastungen, trotz oder gerade wegen der hohen Staatsverschuldung. „Über elf Jahre sozialdemokratische Finanzminister haben erfolglos versucht den Haushalt über Steuererhöhungen zu sanieren. Sein Motto und das seiner Partei sind daher: „Durch Wachstum sanieren, durch Sanierung wachsen.“



Nichts schöner wie selbstständig sein
Auch die unternehmerische Selbstständigkeit als Lebensform sprach der Mittelstandsbeauftragte an. Relativ zum Bruttosozialprodukt liege Deutschland bei Unternehmensgründungen in Europa an zweitletzter Stelle. „Wagen Sie es selbstständig zu werden, es gibt nichts Schöneres“, rief er den nicht Selbstständigen unter den Zuhörern zu.“
Ein Problem dabei sei in Deutschland die Bildungspolitik: ‚Die Wettbewerbsfähigkeit beginnt nicht in der Fabrik, sondern im Klassenzimmer’, zitiert Burgbacher den Autopionier Henry Ford. Dort werde aber immer noch zu wenig Wert auf naturwissenschaftliche Fächer gelegt. „Wir müssen Forschung und Technik stärken, auch im Mittelstand“, ist Burgbacher überzeugt.

Hartz IV Debatte richtig
Zum Abschluss griff der parlamentarische Staatssekretär dann auch die aktuelle Debatte um Hartz IV auf. „Ich bin froh, dass Guido Westerwelle diese Diskussion begonnen hat. Gibt es denn nur Bezieher von Steuergeld oder gibt es auch noch Leute, die dieses Steuergeld verdienen“, fragt er ins Publikum. Es gebe vieles Grundsätzliches zu verändern, im Kern geht es dem FDP-Politiker jedoch „um eine neue Balance zwischen Staat und Privat.“ Viele Menschen heute seien entwöhnt von der eigenen Freiheit. Der Staat müsse daher vom überforderten und schwachen Staat wieder zu einem handlungsfähigen starken Staat reduziert werden. Und um dies zu verdeutlichen greift er noch einmal zu einem bildhaften Zitat. Michelangelo sei einmal gefragt worden, wie er aus einem groben unförmigen Marmorblock die als perfekt geltende Davidstatue habe meißeln können. ‚Ich habe einfach das Zuviel an Marmor weggenommen’, sei dessen Antwort gewesen.

‚Bei aller Perfektion, da hat es Michelangelo doch einfach gehabt’, mag sich mancher Mittelständler angesichts der staatlichen Regelungsgier gedacht haben. Vom Gestaltungswillen des Festredners aber waren die Meisten am Ende der Festrede überzeugt. Bei Burgbacher sind die Mittelstandsinteressen in guten Händen.

Fotos: Marcus Schwetasch


Der Mittelstand in den Augen von Weinkönigin Sonja III
Als Schriesheimer Weinkönigin Sonja III möchte ich sie heute Nachmittag auch im Namen meiner beiden Prinzessinnen Saskia und Sandra ganz herzlich zur Mittelstandskundgebung des BDS begrüßen und willkommen heißen. Seit 1950 findet anlässlich des Mathaisemarktes die Mittelstandkundgebung statt.

Die Mitte der Gesellschaft, d.h. die Bürgerinnen und Bürger, die ihrer Arbeit nachgehen und mit ihren Steuern und Abgaben den Sozialstaat ermöglichen sowie die mittelständischen Betriebe sind Zentrum dieser Veranstaltung, sie sind die Stützen und Pfeiler auf die die Wirtschaft eines Staates aufbaut. Und diese Gesellschaftsschicht braucht Stärkung, die Unternehmen, die qualifiziert Auszubildende fördern, die Generationen übergreifenden Familienbetriebe, die in der Krise eng zusammenrücken, sowie die Kleinbetriebe in denen Chefs und Mitarbeiter mit vereinten Kräften an einem Strang ziehen, sie alle sollen Unterstützung erfahren. Ohne eine starke leistungskräftige Mitte sowohl in der Gesellschaft als auch in der Wirtschaft wäre die soziale Marktwirtschaft nicht gewährleistet. Deshalb ist heute der Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand, Herr Ernst Burgbacher hier nach Schriesheim gekommen um über dieses Thema ausführlich zu referieren, informieren und zu diskutieren. Sehen Sie mit uns einer interessanten Berichterstattung entgegen und stoßen Sie mit uns mit folgendem Trinkspruch auf die größte regelmäßig stattfindende Kundgebung dieser Art in Deutschland an:
Wie schön ist doch das Badenland
verwöhnt mit edlen Reben.
Den Wein trinkt man mit Sachverstand,
denn er versüßt das Leben
Zum Wohl!



Zitate:

„Warum entscheidet ein anderer darüber, ob ich mich noch fit fühle zu arbeiten. Das kann in einer freiheitlichen Gesellschaft der Bürger am besten selbst entscheiden.“
Ernst Burgbacher über die Regelungswut des Staates

„Ich weigere mich zu akzeptieren, dass die kleinste Recheneinheit in Deutschland eine Million sein soll“
Burgbacher zu Innovationsgutscheinen für Unternehmen in Höhe von 2000 bis 3000 Euro.

„Viele Menschen heute sind entwöhnt von der eigenen Freiheit.“
Burgbacher über die übermäßige Staatstätigkeit.

„Werte ersetzen keine Regeln, aber ohne Werte bleiben Regeln blutleer“
Burgbacher über die wertorientierte soziale Marktwirtschaft:

„Über elf Jahre sozialdemokratische Finanzminister haben erfolglos versucht den Haushalt über Steuererhöhungen zu sanieren.“
Burgbacher über die notwendige Steuerreform

„Die Banken haben mehr Ermessensspielraum, wie sie ihn zurzeit ausnutzen.“
Burgbacher über die Kreditvergabepraxis in Deutschland

„In der Wirtschaft beklagen wir uns, dass alle nur über die gang Großen reden, und auch in der Politik geht es in nur noch um fünf oder sechs Spitzenpolitiker. Wir tun uns damit keinen Gefallen.“
Burgbacher zur Diskussion in Schriesheim über den Festredner

„Sie züchten einen Teil Ihrer Probleme selbst“
Günther Hieber zur Frage eines Journalisten über die lokale Presselage im Vorfeld der Kundgebung.

„Es gibt keine schwarze, gelbe, grüne oder rote Mittelstandspolitik, sondern nur gute oder schlechte“. Hieber zum Vorwurf eines grünen Lokalpolitikers, die Kundgebung parteiplitisch zu nutzen.

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